talkbiznow - nicht nur eine weiteres Netzwerk?

Sebastian Cario · 09.09.2008

Martin Warner und Mark Parker kündigen im Interview mit SPON vollmundig an: “Wir werden eines Tages größer sein als Google.” Da stellt sich doch sofort die Frage, ob es sich hierbei um Übermut oder eine tatsächlich realistische Vision handelt.

Mit talkbiznow (talkbiznow.com) haben die beiden Briten Anfang August eine Plattform gestartet, die ganz ähnlich zu den bereits bekannten Marktführern LinkedIn und Xing auf dem Gebiet der Geschäftsnetzwerke ist. Dennoch gibt es elementare Unterschiede im Funktionsumfang und in der Finanzierung. Talkbiznow soll sich im Gegensatz zu den amtierenden Marktgrößen nicht durch Premiummitgliedschaften, sondern durch einfache Werbung finanzieren. Inwiefern dies bei den Werbung verschmähenden Karrieristen ankommt bleibt dahingestellt.

umfangreiche Profileinstellungen mit Empfehlungsfunktion

umfangreiche Profileinstellungen mit Empfehlungsfunktion

Im Funktionsumfang hat talkbiznow im Vergleich zu den Mitbewerbern einen großen Schritt nach vorn gemacht. So werden neben den normalen Netzwerkfunktionen auch ein Dokumenten-Management-System mit Freigabefunktion,  eine übergreifende Suche, ein persönlicher Kalender, sowie ein Blog angeboten. “Es gibt sehr viele Menschen die mit den derzeitigen Netzwerken unzufrieden sind. Wir wollen den Unterschied ausmachen” meint Matin Warner im Telepraph. “Es muss möglich sein, dass man seinen sechs Geschäftspartnern eine Powerpoint-Präsentation zeigen kann während man nach weiteren Partnern und Kunden sucht.”

Damit geht talkbiznow denselben Weg, den auch die Anbieter von Enterprise2.0-Lösungen, wie zum Beispiel Jive Software mit Clearspace gehen. Tut sich hier vielleicht eine Gefahr für die Enterprise2.0-Softwareschmieden auf? Sollten sich Firmen gegen eine eigene Lösung entscheiden und den Mitarbeitern ein Freifahrtschein für talkbiznow ausstellen? Der Funktionsumfang ist jedenfalls ganz ähnlich, wenn auch bei talkbiznow in der derzeitigen Version noch längst nicht ausgereift. Talkbiznow richtet sich aber direkt an die Mitarbeiter ohne den Umweg über das Unternehmen zu gehen, dies ist Potenzial und Gefahr genug. Es lassen sich somit natürlich jede Menge Nutzer ködern, dennoch ist sicher kein Unternehmen erfreut, wenn der Angestellte sensible Daten auf einem System außerhalb der Firmeninfrastruktur hinterlegt.

Ordner für die Dateiverwaltung

Ordner für die Dateiverwaltung

“Was Xing und Linkedin bisher anbieten, ist nichts anderes als Unterhaltung, die Funktionalität fehlt völlig”, sagt Gründer Martin Warner gegenüber SPON. “Wir dagegen machen es erstmals möglich, wirklich mit dem Netzwerk zu arbeiten, eine Hilfe im Geschäftsalltag zu sein.” Diese Aufgabe sehe ich noch nicht als erledigt an, es fehlen meiner Meinung nach noch sehr wichtige Funktionen wie Livechats mit Konferenz- und Video-Funktion, virtuelle Projekträume, RSS-Unterstützung, usw. Das Potential die gesamte Breite an Diensten anzubieten ist aber vorhanden, nur wird sich zeigen ob dies auf Gegenliebe stößt.

Es ist nach nur einem Monat noch zu früh um ein abschließendes Fazit zu ziehen oder eine echte Prognose abzugeben. Ich jedenfalls habe, vor allem wegen der noch holprigen Nutzerfreundlichkeit und dem öden Design, noch kein gutes Gefühl bei der Sache, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.

Quellen:
Spiegel-Online, Neues Network will Xing attackieren [09.09.2008]
The Telegraph, The disrupters Nuevo Entertainment [13.08.2008]
Bildnachweis: talkbiznow.com