Aktueller Trend: Mikro-Blogging

Sebastian Cario · 11.09.2008

Es scheint, als gäbe es zurzeit nur ein einziges Thema, welches die Enterprise 2.0-Sphäre bewegt:

Wie kann man Mikro-Blogging im Unternehmen nutzen?

Seit dem Start von Twitter, im Oktober 2006, hat das Thema an Dynamik gewonnen, wie immer vorerst auf den privaten (normalen) Gebrauch fokussiert. Bald aber sahen auch Firmen die Vorteile in der externen Kommunikation, nutzten Twitter zur schnellen Informationsweitergabe an die Interessenten, als Marketing-Instrument und Feedback-Kanal.

Schon im September 2007 wurde überlegt, wie man Twitter im Unternehmen einsetzten könnte, diverse Blogs beschäftigten sich mit diesem Thema. Die Tendenz ging allerdings ganz klar in die Richtung, Twitter zu nutzen wie es ist. Die Überlegungen für Unternehmen eigenständige Mikro-Blogging-Systeme zu entwickeln kam erst später auf.

Seit Anfang 2008 beschäftigen sich nun auch zunehmend die führenden Köpfe der der Enterprise 2.0-Bewegung mit diesem Thema. Andrew MacAfee stellte in seinem Artikel “Freedom is overrated” fest:

“Within an enterprise, however, the situation is very different. Ads can be eliminated, and application deployment can be controlled. And formal policies and informal norms can shape, if not dictate, what constitutes an acceptable contribution by a community member. I can easily imagine a boss saying “Gang, let’s not use EnTwitter (or whatever the enterprise version is called) to talk about how we felt about lunch. Let’s just use it to swap ideas on the Belle Jolie account.” Because Twitter is largely a platform, compliance with this type of policy can easily be monitored.”1

“Lasst uns nicht über das Essen reden, sondern Ideen austauschen” ist das Credo dieser Erkenntnis. Der Fokus sollte demnach nicht mehr auf dem Twitter-Slogan “Was machst du gerade?”, sondern auf  der Frage “Worüber denkst du nach?” liegen.

Andrew McAfee, Associate Professor Harvard Business School
Andrew McAfee, Associate Professor Harvard Business School

In seinen eigenen Tweets (Nachrichten via Twitter)  forderte MacAfee dazu auf, ihn an unseren Gedanken, zum Einsatz von Twitter im Unternehmen, teilhaben zu lassen.  Der folgende Artikel “The Twit’s Progress” fasst die gesammelten Ergebnisse zusammen und identifiziert folgenden Nutzen für Mikro-Blogging im Unternehmen:

“An enterprise version of Twitter would let communities of practice, interest groups, and other collaborations quickly and easily self-organize, swap thoughts, and keep each other up to date.”2

Ein Mikro-Blogging-System im Unternehmen würde es demnach erlauben, dass sich Interessengruppen und Netzwerke schnell und selbstorganisiert finden, ihre Gedanken austauschen und sich gegenseitig informieren. Dies stellt den (internen) Kernnutzen von Mirko-Blogging im Unternehmen dar. Eine Auflistung des möglichen externen Nutzens kann bei vnr.de nachgelesen werden.

Welche Mikro-Blogging-Systeme können eingesetzt werden?

Jeremiah Owyang, seineszeichens Senior Analyst bei Forrester, veröffentlichte vor kurzem eine interessante Liste mit Mikro-Blogging-Systemen für Unternehmen.

Hervorheben möchte ich dabei Yammer, welches kürzlich live auf der TechCrunch50 gestartet wurde und somit  das erste Mikro-Blogging-System (SaaS) für Unternehmen ist. Daniel hat hier Yammer auch schon kurz vorgestellt.

Bemerkenswerterweise befindet sich auch ein deutscher Vertreter auf dieser kurzen Liste. Die Hamburger Firma Coremedia entwickelte ein System namens Trillr, über welche die Mitarbeiter, aber auch Kunden und Partner kommunizieren können.

Was bringt die Zukunft?

Sean Carbony gibt einen kleinen Einblick in die Zukunft des Mikro-Bloggings und kommt auch zu der Einsicht, dass es über kurz oder lang eigene Lösungen für die Unternehmen geben wird, eventuell sogar unterstützt durch das OpenMicroBlogging Protokoll. Netzwertig dagegen sieht Potenzial in Stream-Angeboten wie Socialcast, die Lifestreams (z.B. Friendfeed) und Mikro-Blogging vereinen.

Ich persönlich bin auch ein großer Fan des Mirko-Bloggings und halte es für ein Thema mit enormem Potenzial. Dennoch glaube ich, dass es sich in seiner heutigen Form nicht halten wird/kann. Meiner Meinung nach, wird es sich in ein im Web protokolliertes Instant Messaging verwandeln, bei denen man Möglichkeiten hat den Nachrichten eine Art Label (Markierung) zu geben.

Folgende Label könnte ich mir vorstellen: Direktnachricht, Antwort (öffentlich), Frage, Idee, Status.

Natürlich sind den Interaktionsmöglichkeiten innerhalb der Nachrichten keine Grenzen gesetzt, durch ein Präfix “#” könnten automatisch HashTags erkannt werden und zur inhaltlichen Erschließung dienen, ein “w:”  könnte automatisch zur Wikipedia-Seite des Suffixes führen. Das Senden dieser Nachrichten wird sich auch nicht mehr hauptsächlich über eine Webseite laufen, sondern vielmehr auf Client-Software verlagern, wie sie auch Yammer schon anbietet.

Wie wäre es mit einem Client, der RSS-Reader, Instant-Messenger und Mikro-Blog vereint? Zuverlässig, smart  und unpenetrant. Dies wäre ein Gewinn für das persönliche Informationsmanagement und ein großer Schritt gegen den Aufmerksamkeitsverlust (Attention Crash) und den Informationsüberfluss (Information Overflow).

  1. MacAfee [26.07.2008] []
  2. MacAfee [15.08.2008] []